Die Salier

Als 1024 auf dem Wormsfeld zwischen Speyer und Worms der um 990 geborene Konrad zum deutschen König gewählt worden war, hatten die deutschen Fürsten einen aus ihrem Kreis gewählt, der nicht zu den mächtigsten Vertretern ihres Standes gehörte. Aber der neue König hatte zwei Vorteile: Zum einen einen mächtigen Fürsprecher in Bischof Burchhard von Worms, zum anderen seine Frau Gisela, die ihm vor kurzem als Witwe des Herzogs Ernst von Schwaben angetraut worden war und die beträchtliches Erbgut in die neue Ehe einbrachte; dazu gehörte die "curta imperiali ad Uueibelingen", die wir schon aus der Urkunde des Karolingerkaisers Karls III. (885) kennen. Wenn dann dieses "Uueibelingen" unser Remstal-Waiblingen ist, so brachte Gisela, die leicht ihren Stammbaum bis zu den Karolingern zurückverfolgen konnte, Waiblingen an das neue Kaisergeschlecht, das man später "Salier" nannte.

Folgen wir Wilhelm Glässner, dem ehemaligen Stadtarchivar der Stadt Waiblingen, dann bedeutet "salisch" im Hochmittelalter "hochfrei fränkisch", d.h. von hoher edler und fränkisch freier Abstammung. Der Mittelpunkt des neuen Königs war also Speyer und seine rheinfränkische Heimat; weitere Stützpunkte seiner Macht waren Goslar im Herzogtum Sachsen, Nürnberg in Ostfranken und - durch Gisela - Waiblingen im Herzogtum Schwaben. In staufischen Schriftquellen taucht der Name "Waiblingen" des Öfteren auf, so z.B. in den "Annales Palidensis" (Ende des 12. Jh.), im "Codex Laureshamensis (bis 1167), bei Otto von Freising in den "Gesta Friderici" (1157) und in der Chronik des Burchhard von Ursperg (um 1230). Die Staufer bezogen sich später gerne auf die "Heinriche von Waiblingen", gemeint die Salier, weil sie es leicht hatten, Verwandtschaft mit den Saliern über ihre eigene Stammesmutter Agnes herzustellen, die eine Kaisertochter (Heinrichs IV.) und eine Kaiserschwester (Heinrichs V.) war und die 1089 Friedrich I. von Hohenstaufen, Herzog von Schwaben, geheiratet hatte, und weil sie in der Konkurrenz mit den Welfen so ihre "Kaiserverwandtschaften" betonen konnten.

So bleiben die Begriffe "Salier" und "Waiblingen" dem deutschen Hochmittelalter im Bewusstsein, versanken aber anschließend in der Vergessenheit, obwohl im Italien des 13. Jh. der Name "Waiblingen" als "Ghibellinen" der Begriff für die Kaisertreuen war.

Diese Verbindung Waiblingens zu den bedeutendsten hochmittelalterlichen Herrschergeschlechtern der Salier und der Staufer war 1968 Anlass zu der damals nicht unumstrittenen Namensgebung für das neu gegründete Gymnasium auf der Korber Höhe.

(Klaus Scheiner)

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